gemenuGerhard Mehrke - Neu-Ulm - Weiterbildung - Fachdozent

Frequently Asked Questions
(oder auch: Hin und wieder gestellte Fragen)


Ich habe gehört, dass viel Salz in der Nahrung die Ursache für Nierensteine ist. Stimmt das?

Hier ein Auszug aus einer Werbeschrift für „Gesundheitsprodukte“:

<< Kochsalz und Eiweisse: Risikofaktoren für Nierensteine

SteineDr. Sur erklärt, dass vor allem die aus Calcium bestehenden Nierensteine durch eine zu salzreiche Ernährung entstehen könnten. Die übermässige Aufnahme von Salz rege die Calciumausscheidung über den Urin an, was wiederum zur Steinbildung führen könne. Ein anderer sehr weit verbreiteter Nierensteintyp wird aus Harnsäure gebildet, einem Abfallprodukt, das bei einer sehr eiweisshaltigen Ernährung entsteht.

Das ist kein Wunder, da der menschliche Körper nicht für die Verdauung von grossen Mengen tierischer Eiweisse eingerichtet ist. Hunde, die von Natur aus überwiegend Fleisch fressen würden, verfügen beispielsweise über ein Enzym, das die bei Fleischkost anfallende Harnsäure abbauen kann. Andernfalls würden sämtliche fleischfressenden Tiere von Nierensteinen geplagt, was kaum im Sinne des Erfinders wäre.

FleischDie ersten beiden Konsequenzen, die sich aus diesen Hinweisen ergeben, sind: Reduzieren sie Ihren Kochsalzverbrauch drastisch. Verwenden Sie kein gewöhnliches Kochsalz mehr, sondern ausschliesslich hochwertiges unjodiertes Stein-, Kristall- oder Meersalz. Beachten Sie hier auch, dass Fertigprodukte aller Art meist sehr viel Salz enthalten. Zusätzlich empfiehlt es sich, im Gegensatz zu planzlichen Eiweissen tierische Eiweisse zu meiden – besonders natürlich dann, wenn Sie wissen, dass Ihre persönlichen Nierensteine in der Hauptsache aus Harnsäure bestehen. >>

Hier werden mal wieder munter Halbwahrheiten und Meinungen als medizinische Fakten dargestellt, wie oft, um letztlich die Leser zum Kauf bestimmter Produkte zu überreden.

„Übermäßige“ Salzaufnahme führt keineswegs direkt zu Nierensteinen. Und dann den Konsum von unjodiertem Salz zu empfehlen - widerspricht jeglichen seriösen Ernährungsempfehlungen. Es ist egal ob das Steinsalz aus Bad-Reichenhall kommt oder aus dem Himalaya, „hochwertig“ ist es nur, wenn es jodiert ist (siehe FAQ: Jodmangel)! Jodmangel führt zu Schilddrüsenproblemen (Kropfbildung) und Hormonstörungen (Thyroxinmangel); bei Kindern zu schweren Entwicklungsstörungen! Das Kochsalz sparsam zu verwenden ist jedoch nicht unangebracht.

Auf Grund der Abhängigkeit zwischen Natrium und Calcium bezüglich ihrer Reabsorption in der Niere und des Natrium-Effektes auf die Sekretion des Parathormones (PTH, erhöht den Ca-Spiegel im Blut), wird bei erhöhter Natrium-Aufnahme ein erhöhter Verlust von Calcium über die Niere festgestellt. In Zusammenhang mit einer erhöhten Ausscheidung von Oxal- oder Harnsäure kann dies die Steinbildung begünstigen. Zitronensäure kann wiederum die Calciumausscheidung senken (Zitrusfrüchte).

Die Mehrzahl (65%) aller Nierensteine bestehen aus Calciumoxalat.Sojabohnen Oxalsäure kommt zum Beispiel in Rhabarber, in Mangold, Spinat und Rote Beete vor. Das meiste ausgeschiedene Oxalat kommt jedoch aus dem körpereigenen Stoffwechsel.

Die Oxalsäure in der Nahrung kann mit Calcium sozusagen neutralisiert werden. Es bilden sich im Darm unlösliche Kristalle, die nicht resorbiert werden. Umgekehrt ist Oxalsäure somit ein "Calciumräuber".  

15% der Steine bestehen hauptsächlich aus Harnsäuresalzen. Harnsäure entsteht im menschlichen Stoffwechsel beim Abbau von Nukleinsäuren, nicht beim Eiweißstoffwechsel. Hierbei ist es nicht relevant, ob diese tierischen oder pflanzlichen Ursprungs sind (Hefe z.B. enthält relativ viele Purine, die zu Harnsäure verstoffwechselt werden). HefewürfelDer hohe Harnsäuregehalt des Blutes ist in der Tat eine Besonderheit der Hominiden (Menschen und Menschenaffen)*.  Bei anderen Säugetieren findet er sich nicht. Fleisch enthält natürlich neben viel Eiweiß viel Nukleinsäuren (Erbsubstanz). Viele Eiweißprodukte dagegen keine (Milch, Käse, ebenso wenig wie pflanzliche Produkte wie Tofu).

*Hominiden, besitzen sie in der Niere ein effektives Rückresorptionssystem in Form des Harnsäure/Anionentauschers URAT1. (Im proximalen Tubulus wird Harnsäure wieder aus dem Primärharn aufgenommen und ins Blut zurückgeführt, im Austausch gegen organische Säuren.) Aus diesem Grund haben sie 5- bis 10-mal höhere Harnsäure-Spiegel im Serum als andere Säugetiere. Bei anderen Säugetieren wird Harnsäure durch das Enzym Uricase in Allantoin umgewandelt. Es gibt heute verschiedene Theorien über den Verlust dieses Stoffwechselweges bei Hominiden im Miozän, d.h. vor 10 Millionen Jahren. Nach S. Watanabe et al., Hypertension 2002;40:355-360, verhalf der Verlust der Aktivität der Uricase den Hominiden zu einem Sektionsvorteil: Unter Kochsalz-armer Ernährung führte der höhere Harnsäure-Blutspiegel akut zu gesteigerter Konservierung von Kochsalz. Nehmen wir heutzutage aber viel Salz auf, so "verlieren" wir Harnsäure.

Hohe Harnsäurekonzentrationen im Blut stellen einen Risikofaktor für die Entstehung von Gicht dar.

Purinreiche Lebensmittel

Lebensmittel mit mittlerem Puringehalt

Purinarme Lebensmittel

  • Innereien
  • Sprotten, Ölsardinen, Sardellen
  • Haut von Geflügel und Fisch
  • Hefeprodukte (auch vegetabile Pasten)
  • Fleisch und Fleischerzeugnisse
  • Fisch
  • Spargel, Spinat
  • einzelne Kohlgemüsearten (nicht Weiß-, Chinakohl)
  • Champignons
  • Hülsenfrüchte Kichererbsen, Linsen, weiße Bohnen
  • Sojamehl
  • Vollkorngetreide, Vollkornbrot
  • Kartoffeln
  • viele Gemüsearten und Blattsalate
  • Obst
  • Milch, -produkte, Käse
  • Eier

Risikofaktoren der Nierenstein-Bildung:

  •  Nahrungsmittel, die den Harn mit Oxalat-Salzen übersättigen und dem Körper Wasser entziehen (z.B. Spargel, Rhabarber)

  • Harnstauung durch  Verengungen oder Fehlbildungen in den Nieren oder ableitenden Harnwegen

  • Nahrungsergänzungsmittel, die Calcium und Vitamin D enthalten (--> Calciumüberschuss --> Ausscheidung)

  • Bestimmte Medikamente wie Azetalzolamid, Sulphonamide, Triamteren, Indinavir

  • Erbliche Disposition

  • Wiederholte Harnwegsinfektionen

  • Zu geringe Flüssigkeitsaufnahme

  • Übergewicht

Lieber Dr. Sur (oder wer auch immer unter diesem Pseudonym schreibt,) behalten Sie Ihre gefährlichen Ratschläge für sich! 


>> Harnsäure und Gicht

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